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Mittwoch, 1. Juli 2015

We are not things

Dann habe ich es doch noch geschafft, Mad Max: Fury Road im Kino zu sehen, bevor das nur noch nachts läuft. Und ich weiß jetzt, warum ich vorher keinen der Mad Max Filme gesehen habe. Versteht mich nicht falsch, der Film war richtig gut, er hatte super Charaktere, eine gute Geschichte und war auch filmisch sehr schön umgesetzt, aber Post-Apokalypse ist einfach nichts für mich, was durchaus verwunderlich ist, weil Dystopie auf der anderen Seite eines meiner Lieblingsgenres ist. Post-Apokalypse ist im Gegensatz zu Dystopie aber schmutziger und die Atmosphäre ist hoffnungsloser und die Welt im Allgemeinen kaputter. Wo das übergeordnete Ziel der Protagonisten einer Dystopie ist, die Situation der Gesellschaft nachhaltig zu verbessern, geht es bei Post-Apokalypsen hauptsächlich darum zu überleben. Beides hat seine absolute Daseinsberechtigung, aber ich persönlich komme mit der nicht ganz so schrecklichen Welt und den politischen Dimensionen von Dystopien mehr klar.

Nun aber zurück zu Mad Max (beinhaltet durchaus SPOILER):
Der Grundplot besteht darin, dass Imperator Furiosa (Charlize Theron) die Frauen eines fürchterlichen Anführers befreit und mit ihnen in die Freiheit fliehen will. Max kommt da eher so durch Zufall dazu. Das alles spielt in einer Wüstenwelt bevölkert mit allerlei unappetitlichen Menschen. Der Anführer hat die Macht über Wasser und kontrolliert somit eine Armee, denen er weis macht, er sei ein Gott. Es wird viel gekämpft, als der Anführer (mit Namen übrigens Immortan Joe) bemerkt, was Furiosa getan hat, und eine der Frauen stirbt (auch noch die Schwangere, das hätte ich nicht erwartet), aber am Ende schaffen sie es doch den Armeen zu entkommen, nur um dann festzustellen, dass der ersehnte Ort nicht mehr existiert. Was also nun? Vor ihnen liegt eine unüberwindbare Salzwüste, hinter ihnen die Armeen, aber da hinter die Festung von Immortan Joe, wo es Wasser und fruchtbare Erde gibt. Sie beschließen also es zu versuchen, so gut wie tot sind sie ja sowieso. Nach noch mehr Kämpfen und noch mehr Verlusten gelingt es ihnen Immortan Joe zu töten und die Festung zu erreichen, wo sie nun, da dir Bewohner sehen, dass ihr Anführer keinesfalls ein Gott war, sie mit Jubel empfangen.

Soviel zur Geschichte. Nun gehe ich auf Teile des Films ein:
1) Die Frauen. Natürlich sind sie nicht freiwillig die Frauen des Anführers geworden. Sie wurden gezwungen und dann wie Sklaven festgehalten, um ihm Kinder zu gebären. Trotz alledem haben sie es geschafft, ihren Willen nicht zu verlieren. Ihr Leitspruch ist "Wir sind keine Dinge", um sich selbst und andere daran zu erinnern, dass sie Menschen sind und als solche ein Recht auf Freiheit und Selbstbestimmung haben. Sie sind tapfer und klug und freundlich und Überlebende.
2) Imperator Furiosa. Wie kann jemand nur so badass sein? Entführt aus ihrer schönen Heimat, (vermutlich) versklavt, gefoltert und verstümmelt (ihr fehlt der linke Arm ab dem Ellenbogen), hat sie es geschafft Immortan Joes Vertrauen zu gewinnen, nur um ihn seine wertvollsten "Besitz" (die Frauen sind kein Besitz, aber so sieht er das) zu nehmen und ihn am Ende zu töten. Sie ist stark, entschlossen und kämpferisch, aber auch verletzlich (als sie zum Beispiel erfährt, dass ihre alte Heimat zerstört ist) und das macht sie nur noch besser.
3) Max und Furiosa aka ihre Entwicklung von Feinden zu Freunden. Als Max auf den Tross von Furiosa trifft, sind sie nicht auf der selben Seite. Max ist zwar auch nicht da, um sie wieder zurückzuführen, aber er will auch nicht mit ihnen gemeinsame Sache machen. Max und Furiosa kämpfen um Leben und Tod und er stiehlt schließlich den Tanker und lässt sie und die Frauen in der Wüste zurück. Da der Tanker aber nur von Furiosa gefahren werden kann, muss er sie dann doch mitnehmen. Langsam aber sicher entwickelt sich die Beziehung der beiden. Erst misstrauten sie sich extrem, dann sind sie gezwungen zusammenzuarbeiten und sich im Kampf aufeinander zu verlassen und gegen Ende haben sie ein Level des absoluten Vertrauens erreicht. Übrigens ganz ohne gezwungene, unpassende Liebesgeschichte. Geht doch auch.
(Charlize Theron selber hat dazu auch war gesagt.)
4) Who needs tons of guys when women can be the heroes? Die positiven Charaktere dieses Films sind mit Ausnahme von Tom Hardy und Nicholas Hoult alle Frauen. Furiosa ist unangefochten die Hauptheldin und alle externe Unterstützung kommt von Frauen. Und es wird nicht im geringsten in Frage gestellt oder als etwas besonderes heraus gehoben. So einen Film kann es doch auch mal geben, oder?
(Tom Hardy wurde in einem Interview gefragt, ob es ihm in dem Drehbuch nicht komisch vorkam, dass da so viele Frauen waren und er hat geantwortet "nein, nicht einen Moment".)
5) Ich kann nicht aufhören, ohne die Bildsprache und Ästhetik des Films gelobt zu haben. Auch wenn die Ästhetik des Films so gar nicht meiner persönlichen Ästhetik entspricht, so passt sie dich fantastisch zu der Atmosphäre und dem Geschehen. Die Bilder und Farben des Films vermitteln die Emotionen und ziehen einen in die verdorrte Welt.

Satori loves that it's sunny

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Wie ich darauf kam einen Blog zu starten

Ich habe ein tolles Buch, das da heißt "101 Dinge, die du getan haben solltest, bevor du alt und langweilig bist" Ding Nummer 36 fällt unter die Kategorie Hobbys und heißt "Starte einen Blog". Und genau das tue ich jetzt gerade.
Viele Grüße
Satori