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Dienstag, 11. Februar 2014

Now fight.

aka. Nobody understands Zack Snyder

Eins vorweg: habt ihr Watchmen gesehen? Ich schon. Watchmen ist ein brillianter Film und eine nahezu perfekte Comic-Buch Verfilmung. Das ist der Grund, warum ich Sucker Punch sehen wollte. Ein Grund, warum ich skeptisch war, ist, dass es viele negative Kritiken, ja sogar regelrechte Verrisse, zu diesem Film gibt. Allgemein scheint er relativ schlecht in den Bewertungen weg zu kommen.
Zu Unrecht, wie ich finde. Nach den schlechten Kritiken habe ich nicht viel erwartet und bin daher absolut vom Hocker gerissen worden.
Ich behaupte nicht, dass Zack Snyder perfekt ist, oder dass dieser Film keine Fehler hat, aber bessere Kritiken hat er allemal verdient and here is why*:

1. Die ersten paar Minuten waren die emotional intensivsten, die ich seit langem in einem Film gesehen habe. Ich kann nicht einmal wirklich erklären wieso (Musik in Kombination mit Geschehen, Atmosphäre und Art wie es gefilmt wurde?), aber ich wurde sofort mitgerissen.
Die Beschwerde, dass dieser Film nicht emotional ist, kann ich daher überhaupt nicht nachvollziehen.

2. Metaphern über Metaphern. Ich glaube, das dieser Film so defamiert wird, liegt auch daran, dass viele einfach nicht verstehen, was da eigentlich los ist. Es gibt drei verschiedene Ereignisebenen: die Realität (die Psychiatrie), die erste Fantasie-Ebene (das Bordell) und die zweite Fantasie-Ebene (die Kampf-Szenen). Die erste Fantasie-Ebene steht symbolisch für die Realität und die zweite Fantasie-Ebene steht symbolisch für die erste Fantasie-Ebene und dadurch auch für die Realität. Die Protagonistin (? - dazu später mehr) flüchtet sich in ihre Fantasie, um mit den traumatischen Ereignissen umgehen zu können. Was in den Fantasie-Ebenen passiert, passiert so oder so ähnlich auch in der Realität (z.B. der Brand, der Diebstahl, der Ausbruch).
Hierbei dienen die Fantasie-Ebenen als Metaphern. Das Bordell ist eine relativ eindeutige Metapher, die von Unterdrückung und Ausbeutung erzählt. Die Kampf-Szenen wiederum stehen dazu im krassen Gegensatz. Wo die jungen Frauen im Bordell (und erst recht in der Realität) so gut wie hilflos sind, sind sie in der zweiten Fantasie-Ebene selbstbestimmte Kämpferinnen, deren Stärke in die anderen zwei Ebenen (auf je unterschiedliche Weise) übertragen wird.
Man kann den Film einfach nicht gucken, ohne sein Gehirn anzuschalten.  Sonst sitzt man da und fragt sich ratlos, wo der Drache herkommt oder was die Zombie-Nazis bitteschön mit dem Bordell zu tun haben.

3. Ein Lied sagt mehr als tausend Worte. Ein weiterer großer Pluspunkt ist der Soundtrack. Wenn man mal darauf achtet, wird in diesem Film eigentlich gar nicht so viel geredet. Der Soundtrack vermittelt einen Großteil der Atmosphäre und der Gefühle. Songtext Passagen unterstützen und begleiten das Geschehen. Das mag eine etwas experimentelle Methode sein, aber es funktioniert meiner Meinung nach vorzüglich.
 
4. Wessen Geschichte ist es eigentlich? (SPOILER!!!)
Wollt ihr meine Interpretation lesen? Nein? Egal, ich schreibe sie trotzdem. Das ist schließlich mein Blog. Also: Am Ende bleibt die Frage, wessen Geschichte man gerade gesehen hat. Die Antwort ist: ganz sicher nicht Babydolls (Emily Browning, die "Protagonistin"). Es war Sweet Peas (Abbie Cornish) Geschichte, da Sweet Pea "die einzige ist, die da draußen je eine Chance hatte". Von Anfang an ging es nur darum Sweet Pea diese Chance zu ermöglichen. Babydolls Kampf war für sie (dazu gibt es auch noch einige kleine Details, die darauf hinweisen, aber es würde zu weit führen, sie zu erwähnen). Zu Beginn des Films sagt eine Stimme aus dem Off, dass Engel existieren, zum Beispiel in der Form eines alten Mannes oder eines jungen Mädchens. Diese Beispiele sind nicht willkürlich gewählt. Der alte Mann ist der, der die Wachen ablenkt und Sweet Pea kostenlos Bus fahren lässt, und das junge Mädchen ist Babydoll.
Zu Babydolls Hintergrundgeschichte: Bei dem Versuch ihre Schwester zu retten, hat sie sie aus Versehen erschossen. (Das war mir erst nicht klar, auch wenn ihr Stief-Vater das ja bei der Einlieferung gesagt hat.) Mit dieser Tat kann sie nicht leben. Daher ist sie, wie der Arzt überrascht bemerkt, erleichtert durch die Lobotomie von der Realität getrennt zu werden. In der ersten Kampf-Szene fragt der Samurai sie, was sie denn eigentlich will, und nach einiger Überlegung antwortet sie: "Freiheit" Damit scheint ziemlich eindeutig der Ausbruch gemeint zu sein, aber ich glaube, dass die hier beschworene Freiheit sich auf die Freiheit von Gefühlen und Erinnerungen und der unerträglichen Wirklichkeit bezieht.
(Hoffentlich hat man das jetzt verstanden...)
(SPOILER ENDE!!!)

5. Eine kurze Abhandlung zum Vorwurf des "Fetischismus".
Ein großer Vorwurf, der diesem Film anheftet ist, dass er die Frauen sexistisch und als Fetischismus Objekte behandelt. Ich sehe natürlich, wo dieser Vorwurf herkommt, und kann auch gut verstehen, wie er entsteht. Aber es ist genauso, wie Zack Snyder bei z.B. Watchmen Gewaltverherrlichung vorzuwerfen. Genau das Gegenteil ist eigentlich der Fall, aber auf den ersten Blick ist das wohl nicht so offensichtlich. Beinahe jeder Action-Film ist gewalttätig und nicht wenige von ihnen sind sexistisch (siehe zum Beispiel Transformers); behandelt wird das jedoch fast nie. Zack Synder überdreht diese Gewalt und diesen Sexismus so sehr und so konsequent, dass deutlich wird, wie falsch und grausam das eigentlich ist. Außerdem kann man keinesfalls behaupten, dass die männlichen Charaktere, von denen die Peinigung ausgeht, in irgendeiner Weise auch nur ein winziges bisschen positiv dargestellt werden.
Ein weiterer Hinweis ist, dass man nie sieht, wie die jungen Frauen tanzen. Anstelle der aufreizenden Tanz-Einlagen, die in der ersten Fantasie-Ebene stattfinden, sieht man die zweite Fantasie-Ebene, die ein symbolischer Ausbruch ist, und statt dem Tanzen sieht man kraftvolle, befreiende Kampf-Szenen.
Ja, die Klamotten. Ich leugne nicht, dass die Kleidung sexy ist, aber auch das hat seine Gründe. Die erste Fantasie-Ebene ist ein Bordell, also ist es nur logisch, dass sie Korsagen und dergleichen tragen (wofür das eine Metapher ist, habe ich schon erläutert). Diese Kleidung, die ihnen aufgezwungen wird, verwandelt sich in der zweiten Fantasie-Ebene in Kampf-Anzüge, immernoch sexy, aber dafür auch machtvoll. (Ich möchte anfügen, dass ich die Erfahrung gemacht habe, dass ein Korsett zu tragen ein absolut empowering Gefühl ist.)
Nun, ich will nicht bestreiten, dass die jeweiligen Charakterzeichnungen recht oberflächlich bleiben, aber das gilt nicht nur für die jungen Frauen, sondern für jeden in diesem Film.

6. Hollywood Happy-Ends sind überbewertet. (MORE SPOILERS)
Nein, am Ende sind nicht alle glücklich, aber das soll auch nicht so sein, denn wann geht etwas außerhalb von Filmen und Märchen schon einmal so aus, dass man "And they lived happily ever after" drunter setzen könnte. (Außerdem würde der ganze Film mit einem kitschigen Ende seine Aussage und Intensivität verlieren.) Die Lobotomie findet statt, aber sie befreit Babydoll auch von der Relität, was natürlich nicht perfekt ist, aber doch immerhin besser, als das Leben, was ihr sonst bevorstünde (ich gebe zu, darüber lässt sich durchaus streiten, aber auch dafür fehlt hier der Platz). Nur für Sweet Pea gibt es eine Art Happy End, in dem Sinne, dass sie zu ihrer Familie zurückkehren kann.
Die Antagonisten sterben nicht, aber sie werden für eine lange Zeit im Gefängnis verrotten. Und ist das eigentlich nicht besser? Ihre Pläne wurden durchkreuzt und ihre Machenschaften aufgedeckt und vereitelt. Das, was sie schon angerichtet haben, kann nicht wieder rückgängig gemacht werden, aber das wäre auch durch ihren Tod nicht passiert.
(SPOILER ENDE!)

Es war so schön, die Amazon 5* Bewertungen zu lesen, von Menschen, die den Film genauso wie ich verstanden haben und in ihm sehen, was ich sehe.

Spaßfaktor (in dem Sinne, wie sehr sich das Sehen gelohnt hat): *****
Spannungsfaktor: ****1/2
Charaktere: ***
Geschichte: ****
insgesamt: ***** ***

Satori is currently defending things people are needlessly hating on

P.S. Das ist einer der längsten Posts, die ich je schreiben werde, aber das musste alles mal gesagt werden.

*Ich hoffe, es stört euch nicht, dass ich ab und zu ins Englische abdrifte...

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Wie ich darauf kam einen Blog zu starten

Ich habe ein tolles Buch, das da heißt "101 Dinge, die du getan haben solltest, bevor du alt und langweilig bist" Ding Nummer 36 fällt unter die Kategorie Hobbys und heißt "Starte einen Blog". Und genau das tue ich jetzt gerade.
Viele Grüße
Satori