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Freitag, 20. Mai 2016

We all freeze and die!

Ich habe den wundervollen und schrecklichen Film Snowpiercer gesehen. Dystopisch und fürchterlich bis zum geht nicht mehr und so heavy (keine Übersetzung passt wirklich), dass ich mich danach erstmal für eine Weile hinsetzen musste, um das zu verarbeiten. 

Ausgangslage: um die Klimaerwärmung zu stoppen, kommen die Regierungen der Welt auf die glorreiche Idee, Chemikalien in die Luft zu sprühen, um die Erde abzukühlen. Das funktioniert leider so gut, dass kurze Zeit später die ganze Erde permanent einfriert. Die letzten Überlebenden der Menschheit fahren seitdem in einem riesigen Zug rund um den Globus. Die Reichen vorne, die Armen hinten, versteht sich. 

Dort trifft der Zuschauer unseren Haupthelden Curtis (Chris Evans). Die Armen werden regelmäßig gezählt bevor sie ihr Essen, die Proteinblöcke, bekommen. Eines Tages werden ihnen zwei Kinder weggenommen, was für einen Aufruhr sorgt. Dem dafür verantwortlichen Vater wird der Arm abgefroren, während jemand vom vorderen Ende die Armen über die "natürliche" Rangordnung aufklärt mithilfe des Bildes von Schuh und Hut. Zu diesem Zeitpunkt ist man als Zuschauer selber bereit der Rebellion, die in der Vorbereitung ist, beizutreten.

Zeit für die Rebellion ist es kurz darauf und nach ersten Erfolgen dringen die Armen bis zu der Wasserversorgung vor. Der Film ist spannend, die Kampfszenen intensiv und die Charaktere einer Dystopie angemessen. Das Setting in einem endlos fahrenden Zug ist nicht nur originell, es bietet auch interessante Möglichkeiten. Eine von ihnen ist zum Beispiel die religiöse Verehrung des Zuges ("die Maschine") und dessen Erfinders ("Wilford"). Schulkinder sind ausschließlich Indoktrination ausgesetzt und singen fröhliche Lieder wie: "What happens when the train derails? - We all freeze and die!" Doch was den Film in meinen Augen wirklich außergewöhnlich macht, ist die Auflösung.

(SPOILER! SPOILER! SPOILER)
Als Curtis am Ende unter großen Verlusten und entgegen allen Widrigkeiten schließlich das Vordere des Zuges erreicht, ist Wilford nicht überrascht. Ganz im Gegenteil. Er hat Curtis erwartet. Die Rebellion wurde nämlich von ihm und einem Anführer vom hinteren Teil gemeinsam geplant. Sie war nichts weiteres als eine Maßnahme zur Bevölkerungsreduzierung. So ein Zug kann natürlich nicht unendlich viele Leute versorgen und daher sind solche Maßnahmen unerlässlich. Curtis und dem Zuschauer wird klar, dass all die Anstrengungen und Tode mehr als sinnlos waren, dass es von vorneherein festgelegt war, dass fast niemand der Armen diesen Konflikt überleben würde und dass jemand, dem man sein Vertrauen geschenkt hat, das alles genauso geplant hat. Wow. Das nenn' ich mal nihilstisch.

Dann wäre da natürlich noch die Tatsache, dass Curtis sich entschließt anstatt Wilfords Plan zu folgen und den Zug in Zukunft zu führen, Namgoongs in die Tat umzusetzen. Die Tür wird weggesprengt, der Zug entgleist, große Teile explodieren, scheinbar sterben alle. Aus den Trümmern sieht man jedoch Namgoongs Tochter Yona und einen der entführten Jungen klettern. Dass sie in der Ferne einen Eisbären sehen, deutet an, dass Leben in der Eiswüste doch möglich ist. Diese Schlusssequenz ist zu gleichen Teilen hoffnungsvoll wie auch hoffnungslos, da es dann doch recht wahrscheinlich ist, dass Yona und Timmy recht bald sterben werden.
(SPOILER ENDE!)

Obwohl ich schon Gutes über diesen Film gehört hatte, war ich dann doch positiv überrascht.

Satori should go and write her paper now

P.S. Von dem ganzen Kannibalismus und der Ambivalenz des Haupt"helden" habe ich noch nicht einmal angefangen.

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Wie ich darauf kam einen Blog zu starten

Ich habe ein tolles Buch, das da heißt "101 Dinge, die du getan haben solltest, bevor du alt und langweilig bist" Ding Nummer 36 fällt unter die Kategorie Hobbys und heißt "Starte einen Blog". Und genau das tue ich jetzt gerade.
Viele Grüße
Satori